AppTestsss

News, Berichte und Videos rund um Apple, iPhone, iPad und Mac

Blockr Icon

Blockr: Ein iOS 9-Content-Blocker im Test

Blockr IconDie Neuerungen von iOS 9 sind vielzählig und wurden von mir an anderer Stelle ausführlich beschrieben, spannend sind neben den Kernfunktionen vor allem die neuen und aktualisierten Anwendungen, die die neuen APIs verwenden. Einer der ersten iOS 9-Content-Blocker, den ich seit einigen Wochen in einer Beta verwende, ist Blockr von Arno Appenzeller und Tim Poller.

Mit Content-Blockern führt Apple in iOS 9 eine neue Art der App-Erweiterung ein, die sich in Safari einbinden lassen und dort, je nach Art des Blockers, verschiedene Inhalte blockieren – ein Beispiel für einen solchen Blocker wäre ein Werbeblocker. Blockr implementiert die neue API als eine der ersten Apps, geht jedoch einen Schritt weiter und bietet mehr Funktionen als ein normaler Werbeblocker. Neben dem traditionellen Werbefilter bietet Blockr in der ersten Version noch drei weitere Filter, die je nach Bedarf aktiviert und angepasst werden können.

Die Anwendung bietet neben der Erweiterung eine eigene App, die zur Anpassung der Filter eine große Rolle spielt. Generell können Content-Blocker in iOS 9 in den Safari-Einstellungen (Einstellungen > Safari > Inhalts-Blocker) aktiviert und deaktiviert werden, in dieser Ansicht können jedoch keine Einstellungen an dem eigentlichen Blocker vorgenommen werden. Hier muss jede App ihren eigenen Weg finden. Blockr bietet, neben den Einstellungen über die eigene App, auch noch eine Action-Erweiterung für Safari an, in der die Einstellungen für die aktuell ausgewählte Seite hinzufügt und bearbeitet werden können.

Vier große Filter

Wie erwähnt bietet Blockr nicht nur einen Filter für Werbung, die App kann auch andere Inhalte aus dem täglichen Webverkehr herausfiltern. Neben dem Werbefilter sind folgende Block-Möglichkeiten vorhanden: Ein Medien-Blocker, der sämtliche Medien aus dem Verkehr zieht und damit die Geschwindigkeit beim Surfen deutlich erhöht, ein Privatsphäre-Blocker, der Tracking-Mechanismen verschiedenster Art abstellt, sowie ein Cookie-Hinweis-Blocker, der die neuen EU-Cookie-Hinweise auf allen Seiten schlichtweg ausblendet. Alle Filter können unabhängig voneinander aktiviert werden, für die Werbe-, Medien- und Privatsphäre-Blocker kann direkt in der App oder über die Safari-Erweiterung eine Ausnahme für eine bestimmte Anwendung hinzugefügt werden. Content-Blocker in iOS 9 basieren auf einer JSON-Datei, die verschiedenste Regeln zur Ausblendung und Blockade von Inhalten beinhaltet. Das System bietet Anwendungen die Möglichkeit, ihre Filter regelmäßig im Hintergrund zu aktualisieren, diese Möglichkeit nutzt Blockr. Die App prüft regelmäßig, ob eine neue Liste mit Filtern auf dem Server verfügbar ist und installiert diese – alles ohne Update über den App Store.

Blockr-Ausnahmen

Ein subjektiver Eindruck

Werbung, vor allem bunte Werbung mit abenteuerlichen Animationen, ist groß. Große Dateien brauchen lange, um zu laden und blockieren damit den Aufbau der Seite, egal wie schnell die Internetverbindung ist. Das gleiche gilt für Social-Buttons, die die Leitung verstopfen. Blockr kann, auf Wunsch, all diese Hindernisse beim Laden der Seite blockieren, bei ganz langsamen Internet kann sogar das Laden von Medien komplett unterbunden werden. Ich habe in den Testwochen, die ich mit Blockr verbracht habe, keinerlei Labormessungen vorgenommen, dennoch bin ich von dem Werbeblocker positiv überrascht. Den Medienblocker habe ich bisher gar nicht verwendet, dennoch fühlt sich das Surfen deutlich schneller an. Ich bin so weit gegangen, dass ich die Spiegel Online-App, die ich fast jede Stunde öffne, gelöscht und durch eine Verknüpfung ins Web ersetzt habe, weil mich die Werbung in der App genervt hat. Von anderen Webseiten, deren Werbung noch viel aufdringlicher ist, brauchen wir an dieser Stelle gar nicht zu sprechen.

Auch die App und ihre Optionen erscheinen mir sehr solide und vor allem durchdacht, ich hatte nur ein kleines Problem: Fügt man eine URL als Ausnahme über die App (nicht die Erweiterung) hinzu, führt das teilweise zu einem Fehler, der nur durch Löschen der entsprechenden URL behoben werden kann. Die Entwickler sind über dieses Problem informiert und arbeiten an einer Lösung.

Interessant werden die Blocker auch, wenn Entwickler mit iOS 9 den neuen SafariViewController einbauen. Dieser stellt im Prinzip einen Safari-Tab in einer App dar und verwendet alle aktivierten Content-Blocker, was die gewonnene Geschwindigkeit und die reduzierte Ablenkung durch Werbung auch in Dritt-Apps wie Twitterrific, die die neue Safari-Ansicht bereits implementiert haben, nutzbar macht.

Datenschutz

Content-Blocker unter iOS 9 ersetzen Plugins, die auf dem Desktop seit Jahren etabliert sind, sie machen jedoch eine entscheidende Sache viel besser: Während ein Safari-Adblock-Plugin unter OS X aktuell wilden Javascript-Code ausführt, der im Zweifel neben dem Ausblenden der Werbung noch eine ganze Menge Schaden anrichtet, haben Content-Blocker unter iOS keinerlei Zugriff auf die aufgerufenen Seiten und führen selber keinen Code aus. Ein Content-Blocker stellt lediglich eine JSON-Datei mit einer Reihe von Filtern zur Verfügung, die iOS dann entsprechend umsetzt – mehr Zugriff auf das Verhalten haben die Entwickler nicht. Apple setzt damit neue Prioritäten: Während Entwickler weiterhin tolle Adblocker bauen können, kann das nicht mehr auf Kosten der Privatsphäre eines Nutzers geschehen, was für alle ein Gewinn ist.

Blockr ist ab sofort für 0,99€ im App Store verfügbar, nach einer Rabattaktion zur Einführung kostet die App dann 1,99€.

Eine kleine Anmerkung: Werbeblocker sind kontrovers und eigentlich ist es paradox, dass ich an dieser Stelle über eine solche App berichte, weil AppTestsss.de sich eben über Werbung finanziert. Andererseits überlasse ich meinen Lesern die Wahl, ob er den Blog auf diese Art und Weise unterstützen will oder nicht. Ich persönlich finde die Werbung auf der Seite nicht störend, sie beschränkt sich auf ausgewählte Bereiche. Solltet ihr ähnlich denken, freue ich mich natürlich, wenn ihr in Blockr (oder einem anderen Werbeblocker eurer Wahl) eine Ausnahme für den Blog hinzufügt. Solltet ihr anderer Meinung sein, freue ich mich natürlich auch, wenn ihr mir diese Meinung auf Twitter oder per Mail (apptestsss at gmail.com) mitteilt, für konstruktive Kritik habe ich immer ein offenes Ohr.

Kategorie: iOS