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Apple Watch-Interview II: Ortwin Gentz von Wohin?

Ortwin Gentz dürfte spätestens seit dem ersten Interview im vergangenen Sommer den meisten Lesern bekannt sein, nun bildet er den zweiten Teil der Watch-Interviews. Vielen Dank auch an Ortwin!

Du bist Entwickler und möchtest dich beteiligen? Einfach eine Mail an AppTestsss at gmail.com, ich freue mich über jede Zuschrift!

Ortwin-Gentz.jpgKannst du dich und deine App bitte kurz vorstellen?
Ich bin Ortwin Gentz und bin Hauptentwickler der Apps Wohin? und Streets. Die Umkreissuche-App Wohin? ist bereits seit Stunde 0 des App Stores mit dabei, die Street View-App „Streets“ kam vor zwei Jahren neu dazu. Wohin? ist unsere Flaggschiff-App, die bereits über eine halbe Million mal verkauft wurde und über die Jahre in unzähligen Updates weiterentwickelt wurde. Die Idee ist, die lokale Suche nach Restaurants, Geschäften und allem möglichen in der Umgebung zu vereinfachen. Dabei haben wir mehr als 600 Kategorien integriert und greifen auf unterschiedliche Datenquellen wie Gelbe Seiten, Google und einige andere zurück, um optimale Suchresultate zu erhalten. Wenn man sein Ziel gefunden hat, hilft die App auch bei der Navigation dorthin. Neben der eingebauten Routenplanung ist die App mit über 50 verschiedenen Navigations-Apps kompatibel und kann Ziele sogar direkt ins Cockpit eines BMW, Mercedes oder Audi überspielen.

Was waren deine erste Gedanken als die Apple Watch im vergangenen Jahr zum ersten Mal gezeigt wurde?

Das wird das nächste große Ding! Obwohl Apple im Markt für Smart Watches beileibe nicht der Erste ist, gehen sie doch mit einem neuen Ansatz und interessanten Ideen ins Rennen. Durch die enorme Publicity wird mit Sicherheit aber auch der Markt für Smart Watches insgesamt stark zulegen, so dass ich mir auch um unabhängige Player wie Pebble derzeit keine Sorgen mache.

Wohin? Watch 2

Wie bist du bei der Anpassung deiner App für die Watch vorgegangen? Hattest du direkt ein Konzept vor Augen oder hast du ausprobiert?

Es war von Anfang an klar, dass der Funktionsumfang der App gegenüber der iPhone-App stark reduziert werden muss, damit es auf einem Gerät wie der Apple Watch Sinn macht. Das Display ist winzig und es ist relativ anstrengend, das Handgelenk über längere Zeit hochzuhalten. Wir haben uns daher auf die Favoriten konzentriert und diese über die Watch zugänglich gemacht.

Kannst du ungefähr sagen, wie lange du an der Apple Watch-Anpassung deiner App gearbeitet hast?

Wir haben ca. 3 Monate an der Anpassung gearbeitet wobei darin diverse Architektur-Änderungen enthalten sind, die nur zum Teil auf die Watch-Anpassung zurückgehen.

Wie schwer ist es, für ein Gerät zu entwicklen, das man noch nie wirklich in der Hand hatte? Wie realitätsnah schätzt du die Tests im Simulator ein?

Das ist in der Tat nicht einfach. Zum einen bekommt man nur mit dem physischen Device einen guten Eindruck, wie sich die Bedienung am Handgelenk anfühlt, zum anderen sind bestimmte Funktionen, wie z.B. das Handover von Watch zu iPhone im Simulator nicht verfügbar. Diese Dinge lassen sich nur an der realen Hardware testen. Insgesamt gesehen geht das Entwickeln mit dem Simulator aber flott von der Hand und die Entwicklungsumgebung ist schön integriert. Gut gefällt mir dabei das graphische Entwickeln mit Storyboards. Wenn ich an die iPhone-Steinzeit zurückdenke, programmieren wir selbst bei der ersten Version der Apple Watch auf einem erstaunlich komfortablen Niveau.

Die Funktionen von WatchKit sind in der aktuellen Version sehr limitiert. Hättest du dir mehr gewünscht? Welche Funktionen fehlen dir ganz besonders?

Natürlich ist die Wunschliste lang. Die derzeitige Architektur, dass Watch-Apps als Extension auf dem iPhone laufen und die Display-Anzeige und Interaktionen remote an die bzw. von der Watch übertragen werden, ist eine zentrale Einschränkung, die viele Use-Cases nicht erlaubt. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass eines Tages auch nativ auf der Watch laufende Apps kommen werden. Für uns wäre besonders eine Zugriffsmöglichkeit auf die Sensoren der Uhr wie zum Beispiel Gyroskop und Kompass spannend. Dann könnten wir eine Funktion zum Anzeigen von Richtung und Entfernung zu einem Ziel einbauen, so wie wir es in unserer Pebble App bereits realisiert haben.

Wohin? Watch 1

Welche Funktionen der iPhone-App bringt Wohin? auf die Apple Watch?

Wohin? für Apple Watch zeigt die Favoriten-Kategorien sowie Favoriten-Plätze. Eine freie Suche ist per Spracheingabe möglich. Trefferlisten können über die digitale Krone durchgescrollt werden. Auf der Detail-Seite werden die wichtigsten Informationen eines Treffers inkl. Erfahrungsberichten dargestellt. Durch Antippen der Karte kann eine Zielnavigation gestartet werden. Unter der Karte wird die Entfernung und Himmelsrichtung des Treffers angegeben.

Wohin? ist für einen Großteil der Darstellung auf Informationen aus Online-Datenbanken angewiesen. Wie stellst du sicher, dass diese auf der Watch immer aktuell vorliegen?

Da sämtliche Apple Watch Apps ohnehin auf die ständige Verbindung zum iPhone angewiesen sind, kann auch die Online-Verbindung des iPhone genutzt werden. Auch die Favoriten sind auf diese Weise immer synchron auf allen Geräten.

Die Apple Watch ist ein Gerät der kurzen Interaktionen. Wie genau versucht deine App diese schnellen Wege umzusetzen und dem Nutzer einen Mehrwert zu bieten?

Beim unterwegs-Einsatz von Wohin? geht es oft darum, schnell die genaue Adresse eines Ziels nachzuschlagen oder zu prüfen, welche Filiale am nächsten liegt. Auch für die Zielnavigation ist der Blick auf die Uhr ungemein praktisch. Da macht es Sinn, nicht ständig das iPhone aus der Tasche zu holen. Genau auf diesen Anwendungsfall haben wir uns bei der Entwicklung von Wohin? für Apple Watch konzentriert.

Liefert deine App neben einer „normalen“ Watch-App noch einen Glance oder eine Benachrichtigung?

Ja, eine Glance-Ansicht ist ebenfalls integriert. Darüber wird der zuletzt auf dem iPhone angezeigte Treffer auf der Watch verfügbar gemacht. So kann man einfach auf dem iPhone ein Ziel auswählen und hat dann die Daten schnell auf der Watch parat. In die andere Richtung geht es übrigens genauso einfach per Handoff: Wenn man für eine Location auf der Apple Watch weitere Details wie zum Beispiel die Homepage abrufen oder dort anrufen möchte, kann man auf dem iPhone das Wohin?-Icon auf dem Lock-Screen nach oben schieben oder im App-Switcher ganz nach links gehen. Die Wohin? iPhone-App zeigt dann direkt die Detail-Seite des Treffers. So sind die Apps für iPhone und Apple Watch nahtlos integriert und man kann jedes Gerät für den Zweck einsetzen, für den es am meisten Sinn macht.

Ein Blick in die Zukunft: Wir kaufen bald die erste Generation der Apple Watch. Welches Potential siehst du und welche Funktionen wünschst du dir für die Zukunft? (Bezogen auf WatchKit und Hardware)

Ich bin überzeugt davon, dass wir eines Tages auch native Apps auf der Apple Watch sehen werden. Dies wird eine ganze Reihe weiterer spannender Use-Cases abdecken. Die Hardware wird sich rasch weiterentwickeln insbesondere in Bezug auf Performance und Batterielaufzeit. Apple hat sich ja für ein hochauflösendes Farbdisplay entschieden und nicht mit einem e-Ink-Display vorlieb genommen. Auch der Prozessor ist vergleichsweise leistungsstark. Das erlaubt grafisch anspruchsvolle Apps, erfordert aber Kompromisse bei der Batterielaufzeit. Apple ist hier meines Erachtens eine große Wette auf die Zukunft eingegangen, da sie schnelle Leistungssprünge in der nächsten Zeit erwarten. Es erinnert mich etwas an die Anfänge von Mac OS X, das mit dem Live-Verschieben von Fenstern und anderen grafischen Effekten seiner Zeit voraus war. Durch die rasanten Fortschritte im Bereich der GPUs ging aber die Wette auf und heute kann man sich gar nichts anderes mehr vorstellen.

Watch Ortwin

Zu guter Letzt: Welche Watch (in Kombination mit welchem Band) kaufst du?

Ich bin mir noch nicht 100% sicher, aber vermutlich wird es eine 42 mm Sport in Space Gray.

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