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Apple Watch-Interview I: Tion von Geofency

Ich habe mit @Tion von Geofency über die Apple Watch und die Anpassung seiner App gesprochen und eröffne damit eine (kleine) Reihe von Interviews zur Apple Watch. Auch an dieser Stelle nochmal viel Dank an Tion!

Du bist Entwickler und möchtest dich beteiligen? Einfach eine Mail an AppTestsss at gmail.com, ich freue mich über jede Zuschrift!

Geofency Watch 2

Kannst du dich und deine App bitte kurz vorstellen?

Die meisten kennen mich wahrscheinlich unter dem Nickname „Tion“. Ich bin neben meinem Partner der eigentliche Kopf hinter der App „Geofency“ für iPhone, iPad und bald auch Apple Watch.

Geofency ist ein Seitenprojekt, welches komplett in der Freizeit entstanden ist und auch so fortgeführt wird. Dafür aber mit viel Leidenschaft und Liebe zum Detail.
Die App ist aus eigenem Leidensdruck heraus entstanden. Bei einem früheren Arbeitgeber musste spätestens immer am Ende des Monats die Arbeitszeit in eine Webapplikation eingetragen werden.

Nachdem ich mir oft selbst nicht meine Anwesenheitszeiten notiert hatte und ich diese Tätigkeit als sehr stupide und nervenaufreibend empfand, kam mir die glorreiche Idee dies vollautomatisch von meinem iPhone für mich erledigen zu lassen. Als weitere Anforderung hatte ich mir das Ziel auferlegt dies absolut stromsparend umzusetzen. Mir war bereits damals bewusst, dass die GPS-Ortung den Akku des iPhones innerhalb weniger Stunden entleert – genau dies wollte ich aber vermeiden. So ist das Konzept der App auf ein rund um die Uhr 24/7 Tracking ausgelegt ohne den Akku merklich zu belasten. Wer es nicht glaubt, darf dies gerne selbst unter der Battery Usage von iOS nachprüfen. Im Prinzip ist so die erste Version der App entstanden, welche mittlerweile aber stark erweitert wurde und sich z.B. neben iBeacons, vollautomatischer Erkennung von häufig besuchten Orten (ohne vorheriger Markierung und nicht nur zur Arbeitszeiterfassung) mittlerweile auch mit der Homeautomation über ein Webhook-Interface versteht. Bei Verlassen der Wohnung startet Geofency beispielsweise den Putzroboter, schaltet unnötige Stromverbraucher ab, setzt die Alarmanlage in Bereitschaft, aktiviert die Rufumleitung von Festnetz auf Mobil… um nur ein paar Beispiele zu nennen. Die Möglichkeiten einer automatischen Presence-Detection sind nahezu grenzenlos. Es gibt diverse Homeautomation-Lösungen (z.B. FHEM), welche mittlerweile bereits das passende Geofency-Modul anbieten, wodurch die Erst-Einrichtung zum Kinderspiel wird.

Daneben habe ich an bereits über 25 iOS Projekten mitentwickelt. Bin also mittlerweile ein alter Software-Hase. :)

Was waren deine erste Gedanken als die Apple Watch im vergangenen Jahr zum ersten Mal gezeigt wurde?

Als Träger des schwarzen Gürtels im kristallkugel-lesen wusste ich bereits lange zuvor, dass eine Uhr von Apple kommen wird. Im vergangenen Jahr hätte ich gerne mehr Details erfahren, doch Apple hat sich kaum in die Karten schauen lassen (um wohl vor allem Mitbewerbern keine tieferen Einblicke zu gewähren).

Was steckt z.B. an Sensorik in der Apple Watch? Ist das S1 Modul austauschbar und somit updatefähig? Welche Möglichkeiten bietet ForceTouch? Was besteht für uns Entwickler an potentiellen Möglichkeiten? Ist die Uhr wasserdicht? Basiert das Display auf der OLED Technologie? Fragen über Fragen.

Insgesamt war ich natürlich sehr angetan über die lang herbei orakelte Neuvorstellung und freue mich wie ein Flitzebogen das Gerät nun tatsächlich bald am Handgelenk tragen zu können.

Wie bist du bei der Anpassung deiner App für die Watch vorgegangen? Hattest du direkt ein Konzept vor Augen oder hast du ausprobiert?

Ich wollte ursprünglich das bestehende Geofency Today Widget als erste Fingerübung auf die Apple Watch portieren. Nachdem ich durch Herumspielen aber schnell realisiert hatte, dass die Uhr zu weit mehr befähigt ist, habe ich diesen Plan komplett verworfen und mir ein anspruchsvolleres Konzept einer Watch App überlegt. Die komplette Navigation durch sämtliche interessanten Geofency-Livedaten, ähnlich zur Parent-App, hatte ich als Ziel vor Augen. Was ich zugegeben zu Beginn für utopisch und unmöglich auf einer Uhr eingestuft hatte, konnte ich so tatsächlich in die Realität umsetzen und sogar das User Interface auf die wesentlich kleinere Größe einer Uhr schrumpfen (was nicht ganz einfach war).

Kannst du ungefähr sagen, wie lange du an der Apple Watch-Anpassung deiner App gearbeitet hast?

Das ging unglaublich schnell. Die Basisfunktionalität war im Prinzip bereits an zwei Wochenenden fertig implementiert. Später kam nur noch Feinschliff am User Interface und Erstellung diverser Icons hinzu (ich designe so gut wie alles selbst). Die schnelle Portierung war vermutlich nur durch das bereits sehr gute Fundament der iOS App möglich. Ohne gute Grundlage hätte dies sicherlich um ein Vielfaches länger gedauert.

Allerdings handelt es sich erstmal um die erste Version der Watch App um die Fühler auszustrecken und wird vermutlich nicht die letzte Fassung bleiben – wofür gibt es Updates? Es gab auch diverse Ecken, an die ich mich ohne Gefühl für das echte Gerät erstmal nicht heran getraut habe.

Wie schwer ist es, für ein Gerät zu entwicklen, das man noch nie wirklich in der Hand hatte? Wie realitätsnah schätzt du die Tests im Simulator ein?

Über den Simulator lässt sich bereits viel testen und umsetzen. Allerdings stösst man trotzdem schnell an gewisse Grenzen und das Gefühl und der Gesamteindruck über das Ökosystem fehlt einfach noch.

Beispielsweise war ich mir nie sicher, wie realistisch die Antwortzeiten bei der Kommunikation zwischen iPhone und Apple Watch tatsächlich via Simulator einzuschätzen sind. Ich musste daher stark optimieren und Datenmengen reduzieren, um später nach Möglichkeit nicht in einem Debakel zu enden und von Apple im Review „rejected“ zu werden. Ob mir das tatsächlich gelungen ist, muss sich erst noch zeigen. Ich habe die App bereits mutig eingereicht ohne tatsächlich am echten Gerät testen zu können. Ein Risiko, dass man allerdings eingehen muss, sofern man ab Tag 0 präsent sein möchte (im Hinblick auf den evtl. zu Beginn noch höheren Sichtbarkeitsfaktor im Watch Store). Ein weiterer Punkt war für mich die Größe von Buttons. Ohne echtes Device lässt sich nicht abschätzen, welche Größe noch gut mit dem Finger bedienbar ist. An einer Stelle musste ich deshalb tatsächlich zurück rudern und kann erst Features nachliefern, sobald mir das reale Gerät vorliegt.

Geofency Watch 1

Die Funktionen von WatchKit sind in der aktuellen Version sehr limitiert. Hättest du dir mehr gewünscht? Welche Funktionen fehlen dir ganz besonders?

Ich denke, dass gerade in der aktuellen Limitierung ein nicht zu unterschätzender Vorteil für das gesamte Ökosystem liegt. Mit den wenigen momentan verfügbaren User Interface Komponenten lässt sich erstaunlich viel auf eine relativ einfache Art umsetzen. Dies hält den Aufwand und in Folge auch die Entwicklungskosten noch gering. Ein neuer Markt von dem Entwickler leben müssen will erst erschlossen sein, bevor es ans Eingemachte geht. Während sich Android Wear im direkten Vergleich schon wieder zu sehr im Detail verliert (erhöhter Aufwand und Kosten) und noch gar keinen ernstzunehmenden Markt generiert hat. Das Kalkül und der Lösungsansatz von Apple gefällt mir da mittlerweile deutlich besser. Ab Anfang Juni ist dann mit der WWDC wohl auch damit zu rechnen, dass die Watch-Plattform weiter geöffnet wird. Bis dahin steht hoffentlich der initial-wichtige Apple Watch Markt und wir dürfen allmählich in die Phase 2 (native Watch Apps) übergehen. Man darf sich aber nichts vor machen: Aufwand und Kosten werden mit mehr Möglichkeiten und höherer Komplexität steigen.

Welche Funktionen der iPhone-App bringt Geofency auf die Apple Watch?

Es handelt sich um eine Portierung der wichtigsten Ansichten aus Geofency, optimiert auf Größe und Charakteristik einer Uhr. Neben der Hauptansicht lassen sich auch alle Detailansicht inkl. aller Statistiken direkt auf der Uhr einsehen (die Statistikberechnung wird sogar von der Uhr aus gestartet). Standorte lassen sich darüber hinaus graphisch auf einer Karte anzeigen (ähnlich zur iOS Variante). Der große Vorteil liegt darin, alle Informationen schnell mit einem kurzen Blick auf der Uhr einsehen zu können (ohne das iPhone ständig aus der Hosentasche pulen zu müssen).

Für die Ortung ist Geofency weiterhin auf ein iPhone angewiesen. Kannst du dir vorstellen, dass wir irgendwann eine Geofency-Version für die Apple Watch sehen, die alle Funktionen der iPhone-App beinhaltet und ohne iPhone auskommt? (Sofern das in einer zukünftigen Version von WatchKit möglich wäre)

Nachdem die Apple Watch über WLAN verfügt wäre es theoretisch denkbar, dass Geofency irgendwann vollständig autonom auf der Apple Watch läuft. Dies hängt natürlich in erster Linie von Apple ab – inwieweit Apple dies unterstützen und öffnen wird. Es würde mir vermutlich große Freude bereiten, Geofency später auch nativ auf die Apple Watch zu portieren. Aber allein der jetzige Version übersteigt bereits meine Erwartungen und ist hoffentlich für viele User hilfreich und praktisch!

Die Apple Watch ist ein Gerät der kurzen Interaktionen. Wie genau versucht deine App diese schnellen Wege umzusetzen und dem Nutzer einen Mehrwert zu bieten?

Wie bereits erwähnt, erlaubt die App direkt per Handgelenk einen extrem schnellen und effizienten Überblick über alle Geofency-Echtzeitdaten (ohne das iPhone ständig aus der Tasche ziehen zu müssen).

In einem kommenden Update wird es z.B. auch möglich sein, sich über die Apple Watch manuell an der Heimautomatisierung ein- oder auszuchecken, um diverse Interaktionen mit dem „Haus“ auszulösen. Dies ist bereits jetzt mit der iPhone App möglich, aber via Apple Watch sollte dies noch einfacher, schneller und intuitiver von der Hand bzw. vom Handgelenk gehen (im sprichwörtlich wahrsten Sinne des Wortes).

Liefert deine App neben einer „normalen“ Watch-App noch einen Glance oder eine Benachrichtigung?

In der ersten Version wollte ich mich nur auf eine reine Watch App konzentrieren. In der Watch App steckt aus meiner Sicht der größte Aufwand im Vergleich zu den beiden anderen Varianten.

Glances und Benachrichtigungen werden vermutlich später in einem Update nachgereicht – hier möchte ich unbedingt zuerst selbst reale Erfahrungen mit der Uhr sammeln bevor ich damit tatsächlich Nutzer konfrontiere.

Ein Blick in die Zukunft: Wir kaufen bald die erste Generation der Apple Watch. Welches Potential siehst du und welche Funktionen wünschst du dir für die Zukunft? (Bezogen auf WatchKit und Hardware)

Ich denke die Apple Watch nimmt gerade Anlauf alle bisher bekannten Fernsteuerungskonzepte über den Haufen zu werfen und eine breite Schneise in die Home Automation (Stichwort: HomeKit) zu schlagen. Ich sehe viele praktische Anwendungsfälle die in der Summe bahnbrechend sein werden. Die Allgemeinheit hat bislang noch nicht realisiert, was mit der Apple Watch machbar ist und unterschätzt mal wieder die grandiosen Möglichkeiten. Das war damals beim ersten iPhone aber absolut nicht anders.

Watch Tion

Zu guter Letzt: Welche Watch (in Kombination mit welchem Band) kaufst du?

Die silberne Sport Variante in der 42 mm Größe mit weißem Band.

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