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iOS 8 im Detail: HealthKit

HealthKit Header

Der zweiten Teil der kurzen Reihe zu iOS 8 Frameworks handelt von HealthKit und der dazugehörigen Health-App, die auf jedem iPhone mit iOS 8 installiert wird. Ähnlich wie HomeKit ist auch HealthKit ein zentraler Ort im System, an dem Daten zum gesundheitlichen Zustand und zur Bewegung des Nutzers gespeichert werden. Während der Markt von Fitness- und Gesundheitsdaten unter iOS 7 und davor noch extrem fragmentiert war, bietet Apple unter iOS 8 mit HealthKit eine zentrale Sammelstelle, auf die alle Apps zugreifen können.

Alle Daten für alle Apps

Die Sammlung an Zubehör und iOS-Apps, die Daten zum aktuellen Zustand und zur Bewegung des Nutzers sammeln, ist nahezu unendlich, mit HealthKit bringt Apple alle diese Applikationen und die damit gesammelten Daten aber unter einen Hut beziehungsweise in eine zentrale Datenbank. Besitzt man zum Beispiel einen Fitnesstracker, der die Bewegung über einen Tag aufzeichnet, kann dieser die Daten nun dem System und damit anderen Applikationen zur Verfügung stellen. Natürlich kann die App des Trackers die gezählten Schritte auch weiterhin lokal speichern und selber verwalten, über die entsprechende HealthKit-API kann sie die Daten aber eben auch in den globalen Speicher schreiben und so allen Apps zugänglich machen.

Das Prinzip hinter HealthKit ist, dass das System bereits einige definierte Datentypen mitbringt – zum Beispiel Schritte, Kalorien, Entfernungen, Schlafdaten – Apps jedoch auch eigene Typen definieren und der globalen Sammlung zuführen können. So können also mehrere Apps die Zahl der zurückgelegten Schritte in die HealthKit-Datenbank schreiben, dem Nutzer bleibt jedoch eine Pri­o­ri­sie­rung der Daten vorbehalten, er kann also die Daten, die der Motion-Koprozessor des iPhones den Daten des Fitnessarmbands vorziehen (oder andersrum). Sind dann zwei Datensätze vorhanden, die zur selben Zeit entstanden sind, zieht iOS zur Gesamtauswertung die Daten des M7/M8 vor (oder eben andersrum).

Direkter Draht zum Arzt

Das HealthKit-Framework bietet App-Entwickler auch die Möglichkeit, über neue Daten eines bestimmten Typs informiert zu werden. Führt ein Nutzer also mit einem kompatiblen Zubehör eine Messung seines Pulses durch, kann die App eines anderen Herstellers direkt über diesen neuen Datensatz informiert werden und diesen abfragen. Im Beispiel aus der Keynote passiert genau das mit der App der Mayo Clinic, aktuell einem der größten HealthKit-Partner. Wie bereits in der WWDC-Keynote gezeigt, fragt die Mayo-Patienten-App regelmäßig Daten zum Zustand des Patienten ab und informiert im Hintergrund direkt einen Arzt, wenn neue Werte vorhanden sind, die Anlass zur Sorge geben (zum Beispiel erhöhter Blutzucker). Denkbar wäre natürlich auch eine generelle Information des Arztes bei neuen Werten, damit dieser die Daten kontrollieren kann.

Kein direkter Kontakt zu fremden Zubehör

Was HealthKit jedoch nicht bietet, ist eine direkte Verbindung zu Zubehör von anderen Herstellern, wie sie bei HomeKit möglich ist. Apples Framework bietet lediglich Zugang zu Daten, die andere Apps (möglicherweise von Zubehör gewonnen, möglicherweise anderweitig gemessen) in die globale HealthKit-Datenbank geschrieben haben. Solange Hersteller für ihr Zubehör keine öffentliche API zur Verfügung stellen, ist es für Entwickler deshalb weiterhin nicht möglich, Daten direkt von dem Zubehör zu lesen, Apps müssen dann weiterhin den Weg über die HealthKit-Datenbank und deren Einträge gehen.

Nichtsdestotrotz wäre es zum Beispiel möglich, eine App zu entwickeln, die die Zuckerwerte des Nutzers beobachtet und den Nutzer bei zu hohen oder zu niedrigen Werten benachrichtigt. Diese App würde dann regelmäßig (und auch im Hintergrund) die Zuckerwerte über die API abfragen und diese mit einer bestimmten Grenze abgleichen und gegebenenfalls eine Nachricht an den Nutzer versenden. HealthKit bietet Entwicklern, die selbst kein Zubehör herstellen, erstmals eine einfache Möglichkeit, trotzdem eine Gesundheits-App zu entwickeln, die auf Daten zurückgreifen kann, die (mehr oder weniger genau) über entsprechendes Zubehör gewonnen wurden, was Apps aus der Health & Fitness-Kategorie im App Store ganz neue Möglichkeiten eröffnet, die bisher in dieser Art kein anderes Mobile-OS umsetzen konnte und kann.

Health-App

Im Gegensatz zu HomeKit kommt iOS 8 mit einer passenden Applikation, die eine Übersicht über gesammelte Daten gibt. Hauptansicht ist das Dashboard, auf dem sich – gegliedert in wählbare Zeiträume – gesammelte Daten finden und anschauen lassen. Über die Daten-Sektion können Graphen für die Übersicht gewählt und auch alle anderen gespeicherten Daten einsehen werden, so lässt sich diese Ansicht ideal für die einzelnen Nutzer anpassen; ein Nutzer mit Diabetes wird dort an erster Stelle möglicherweise seine Zuckerwerte sehen wollen, Sportler werden einen größeren Wert auf ihre Bewegungs-Statistiken legen.

HealthKit Notfall-Pass

Ein weiterer Bestandteil der Health-App ist ein Notfall-Pass. Dieser muss vom Nutzer selbst erstellt und konfiguriert werden, enthält dann aber die wichtigsten Daten über die Person und ist – ohne Eingabe des Passcodes – direkt vom Lockscreen einzusehen, um im Notfall die bestmöglichen Informationen über Gesundheitsinformationen, Organspenden, etc. zu bieten. Der Notfall-Pass kann Rufnummern von Personen beinhalten, die im Notfall verständigt werden sollen, es kann dort die Blutgruppe, die Größe, etc. hinterlegt werden, damit Ersthelfer der betroffenen Person im Ernstfall so gut wie möglich helfen können. Einsehbar ist dieser Pass bei aktiviertem Passcode auf dem Notruf-Bildschirm, ist der Passcode deaktiviert, lassen sich die Informationen und der Pass direkt in der Health-App einsehen.

Privacy

Auch bei Daten über den gesundheitlichen Zustand einer Person ist Privacy und Datensicherheit extrem wichtig, ich möchte die Wichtigkeit dieser Daten jedoch nicht mit den Daten aus HomeKit vergleichen, da es sich um zwei komplett unterschiedliche Sachen handelt und ein Vergleich deswegen schlichtweg nicht möglich ist; es gilt festzuhalten, dass beide Informationen extrem sensitiv sein können. Auch in HealthKit hat Apple diese Brisanz erkannt und entsprechend vorgesorgt:

Wie gewohnt muss ein Nutzer die Abfrage der Daten einmal erlauben, bei einer entsprechenden Anfrage zu HealthKit-Daten präsentiert das System jedoch nicht nur einen kleinen Dialog, sondern ein großes Fenster. Dieses Fenster zeigt an, welche Daten eine App einsehen will, der Nutzer kann dann für jeden Datentyp entscheiden, ob er diesen der App zugänglich machen will. Da jedoch auch eine ablehnende Entscheidung gegenüber eines Typs gewisse Informationen über den Nutzer preisgibt, wird der App nicht mitgeteilt, welche Daten sie von dem Nutzer auslesen darf. Hat ein Nutzer die Abfrage von Daten eines bestimmten Typs untersagt, bekommt die App bei einer Anfrage an die entsprechende API lediglich eine leere Antwort, die keine Aussage darüber enthält, dass der Nutzer den Zugang zu den Daten untersagt hat. Eine erteilte Erlaubnis zur Abfrage der Daten aus der HealthKit-Datenbank lässt sich in den Einstellungen (der Unterpunkt Datenschutz enthält auch andere Informationen, die man immer mal wieder durchblättern sollte) ändern, so kann einer App auch im Nachhinein der Zugang zu bestimmten Informationen verwehrt werden.

Des Weiteren ist es Apps nicht gestattet, Nutzerdaten, die sie über HealthKit gewonnen haben, in der Cloud zu speichern. iOS selber synchronisiert entsprechende Daten nicht über iCloud oder andere Wege zwischen Geräten, alle Informationen sind nur lokal auf dem Gerät zugänglich, das gleiche Verhalten setzt Apple auch bei Entwicklern voraus, wenn diese ihre App Store-Zulassung nicht verlieren wollen. Die Richtlinien untersagen ein Ablegen der abgefragten Daten in der Cloud, alle Daten dürfen ausschließlich lokal auf dem Gerät gesichert werden.

HealthKit Mayo CEO

Schlusswort

Die neuen Frameworks in iOS 8 sind großartig, sowohl HomeKit als auch HealthKit bieten Entwicklern ein riesiges Potential an Möglichkeiten, die im Moment noch schwer zu überblicken sind. Die Umsetzung beider Frameworks zeigt einerseits, wie viel Arbeit und wie viele Gedanken Apple in die Produkte gesteckt hat, andererseits aber auch, wie gut Apple mit Experten aus beiden Bereichen zusammengearbeitet hat, um mögliche Probleme abzudecken und dem Nutzer die bestmögliche Experience zu bieten. Da ich in meiner Freizeit regelmäßig jogge und Rennrad fahre, bin ich extrem gespannt auf die HealthKit-Integrationen in bestehende Apps, Nike+ wurde bereits als Partner angekündigt, bei meinen Fahrrad-Apps warte ich noch auf eine entsprechende Ankündigung oder ab Mittwoch direkt ein Update.

Ich denke, dass HealthKit unter iOS 8 unglaublich viele neue Möglichkeiten eröffnet und bin – wie auch bei HomeKit – extrem gespannt, welche neue Apps und Zubehörprodukte nach dem Start auf den Markt kommen. Möglicherweise sehen wir erste Updates und neue Veröffentlichungen schon morgen, Apps und Zubehörprodukte, die mir in diesem Zusammenhang auffallen, werden hier natürlich erwähnt.

Kategorie: iOS

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