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Editorial für iPad

Editorial - Editor

Seit gut vier Wochen habe ich meinen, vormals sehr MarsEdit-fokussierten, Blog-Workflow auf das iPad, genauer: In Editorial hinein, umgezogen. Der erste Grund dafür war simple: Neugier. Ich wollte die neue App ausprobieren, der Kollegen mehr als 20000 Worte widmen und sehen, wie sie in meine Arbeitsweise passt. Ähnlich große Worte plane ich nicht zu verlieren, obwohl meine Begeisterung für die App durchaus in nicht geringem Rahmen vorhanden ist.

Editor – Markdown an allen Ecken und Enden

Der Editorial-Editor besteht zu großen Teilen aus einem Fenster, in dem der Text geschrieben wird. Am oberen Rand befindet sich eine Menüleiste mit einigen Buttons, der Editor hebt Markdown-Syntax hervor, eine richtige Markdown-Vorschau gibt es im dann im In-App-Browser. So ist es möglich, Artikel in Markdown in der App zu schreiben und die Version, wie sie später im Internet zu sehen sein wird, in der Vorschau anzusehen.

Sehr clever ist die Integration einer weiteren Tastenreihe über der Tastatur. Diese beinhaltet Sondertasten, die sich vor allem nach den Bedürfnissen von Markdown-Schreibern richten und einen schnellen Zugang zu vielen Syntax-Funktionen bieten, die im Alltag benutzt werden. Auf der rechten Seite dieser zusätzlichen Reihe befindet sich ein “Zurück”-Button, der die letzten Eingaben umkehren kann, daneben ist ein Button für Snippets, die im Editor genutzt werden können.

Auch für die schnelle Navigation in Texten bringt Editorial eine Möglichkeit mit: Wischt man über die zusätzlichen Buttons über der Tastatur wandert der Cursor vorwärts und rückwärts durch den Text. Ein kleines Problem dabei ist, dass man am Ende dieser Geste teilweise noch eine der Sondertasten drückt, die sich auf der Leiste befinden und so ein Zeichen hinzufügt, das nicht gewünscht war.

Editorial Vorschau

Snippets

Snippets sind in Editorial kleine Abkürzungen, die im Editor getippt werden können und dann direkt in anderen Text umgewandelt werden. So liefert Editorial bereits von Haus aus Snippets mit, die das aktuelle Datum oder den Inhalt der Zwischenablage in den Editor zaubern. Öffnet man das Snippet-Menü, kann über den +-Button aber auch direkt ein neues Snippet erstellt werden.

Bei der Erstellung benötigt ein Snippet zwei Parameter: Die Abkürzung, die im Editor getippt wird, um das Snippet zu aktivieren und den Text, den das Snippet bei Eingabe der Abkürzung in den Editor einfügen soll. Editorial bietet dabei bereits einige vorgefertigte Bausteine, die in einem Snippet verwendet werden können und die über Buttons, die über der Tastatur angezeigt werden, hinzugefügt werden können.

In meiner Arbeit nutze ich Snippets unter anderem um Code für Bilder zu generieren. Für AppTestsss.de müssen fast alle Bilder zentriert sein, die Markdown-Syntax bietet aber leider keine Möglichkeit, das von Haus aus so zu machen, weswegen Bilder bei mir nicht über ![](URL) sondern per <p align="center"><img src="URL"/> eingefügt werden, was in Editorial als Snippet hinterlegt ist und so schnell eingefügt werden kann, dabei nimmt Editorial sogar gleich den Inhalt der Zwischenablage, in meinem Fall der Link zu dem Bild, und setzt diesen als src in den img-Tag ein.

Editorial - Workflow-Editor

Workflows

Das Kernzkonzept von Editorial sind Workflows. Workflows bestehen aus einzelnen Actions, die zu Arbeitsabläufen kombiniert werden können. Workflows können klein sein und nur aus wenigen Actions bestehen, können aber auch lang sein und viele Actions kombinieren. Editorial kommt von Haus aus mit einigen Workflows, viel interessanter sind aber Workflows, die man selber erstellt oder aus dem Internet herunterlädt. Editorial erlaubt es nämlich, Workflows per URL zu verteilen, einige Beispiele dazu später.

Eigene Workflows erstellen

Der Einstieg in eigene Workflows ist ein wenig kompliziert, da Editorial unfassbar viele und umfassende Actions mit sich bringt, die kombiniert werden können, hinzu kommt, dass neben fertigen Actions noch die Möglichkeit besteht, Python-Skripte zu schreiben, die dann weitere Aktionen ausführen können. Ich persönlich fand es um einiges einfacher zuerst bestehende Workflows aus der App oder von anderen Nutzern anzusehen und kleine Änderungen daran vorzunehmen und so ein Gefühl für die verschiedenen Actions und die Arbeit mit Input, Output und Variablen zu bekommen.

Hat man das Gefühl für die Workflows entwickelt und eine Idee, wie man seine eigene Arbeit erleichtern kann, kann das Zusammenstellen der Actions für den Arbeitsablauf beginnen. Dazu zwei Sachen: Bevor man versucht, einen Workflow in der Praxis einzusetzen sollte man ihn ganz dringend ausprobieren und auf mögliche Schwachstellen testen. Außerdem ist die Arbeit an den eigenen Workflows in meiner Erfahrung nie komplett abgeschlossen, immer wieder findet man Ecken, an denen etwas hinzugefügt oder geändert werden kann. Durch die sehr übersichtliche, Automator-ähnliche, Umgebung, in der Workflows erstellt und bearbeitet werden, ist das aber ohne große Probleme möglich.

Meine Workflows

Es folgen einige Workflow-Beispiele, die ich in Editorial nutze und mit denen ich meinen Blog- und Schreib-Alltag zu meistern versuche.

Duden.de-Suche

Immer wieder benötige ich für meine Artikel die Definition eines Wortes oder muss eine korrekte Schreibweise nachschlagen. Dazu nutze ich nicht mehr in allen Fällen den Papier-Duden, der zwar trotzdem noch auf meinem Schreibtisch steht, sondern Duden.de und suche dort nach dem entsprechenden Wort. Passend dazu habe ich einen Workflow gebaut. Dieser nimmt die aktuelle Auswahl im Dokument als Grundlage, nach Starten des Workflows zeigt die App jedoch auch ein Pop-Up an, in dem der ausgewählte Text, falls vorhanden, mit eigenen Worten ersetzt werden. Danach wandelt Editorial den eingegebenen Text in einen URL-kompatiblen String um und öffnet dann im eingebauten Browser die URL http://duden.de/suchen/dudenonline/EINGEGEBENER_SUCHBEGRIFF, was eine Suche bei Duden.de anstößt und direkt auf die Seite mit Suchergebnissen führt.

Experimentiert hatte ich auch mit einem Workflow, der direkt auf die Ergebnisseite des eingegebenen Begriffs führt, hatte den Workflow nach einigen Tests jedoch wieder verworfen, da mir vor allem die Seite mit den Suchergebnissen beim Schreiben hilft, die meisten Begriffe, die ich nachschaue sind Worte, bei deren Schreibweise ich mir unsicher bin, da würde mir eine “Wort konnte nicht gefunden werden”-Seite deutlich weniger helfen als eine Seite mit der Übersicht über ähnliche Ergebnisse, in denen ich dann meistens das gesuchte Wort finde.

Den Workflow könnt ihr hier zu Editorial hinzufügen.

dict.cc-Suche

Für einige englische Mails und Artikel, die ich in Editorial schreibe, benötige ich ab und zu eine Übersetzung für ein Wort oder eine Phrase. Für diese Übersetzungen nutze ich dict.cc, auch hierzu habe ich einen Workflow gebaut, der die Webseite durchsucht. Wie bereits im Duden.de-Workflow nutzt diese Suche als Basis die aktuelle Textauswahl, erlaubt aber auch die Bearbeitung des Textes in einem Pop-Up. Danach wird die Eingabe wieder einen URL-kompatiblen String verwandelt und der Editorial-Browser öffnet http://dict.cc/?s=EINGEGEBENER_BEGRIFF.

Der dict.cc-Workflow kann hier zu Editorial hinzugefügt werden.

Editorial Kategorien

Artikel mit WordPress veröffentlichen

Dieser Blog läuft auf WordPress, alle Artikel, die ich in Editorial schreibe landen also in einem WordPress-Backend, das sie auf die Startseite zaubert. Dazu verwende ich eine abgeänderte Version des Post to WordPress-Workflows von Federico Viticci, die ich ein wenig an meine eigenen Bedürfnisse für Veröffentlichungen in diesem Blog angepasst habe. Der Workflow ist einer der längsten und kompliziertesten, die ich in Editorial verwende, trotzdem erfüllt er eine der wichtigsten Aufgaben und bildet die essentielle Brücke zwischen meinen Texten in Editorial und der Veröffentlichung im Blog.

Der Workflow verwendet zur Verwaltung des WordPress-Passworts den Python Keychain, Einträge in diesen Schlüsselbund erfolgen am einfachsten über den Keychain Workflow, den Meister Viticci gleich mitliefert. Da bei AppTestsss keine Link-Posts veröffentlicht werden, war das der erste Teil des Workflows, den ich nicht benötigte und entsprechend entfernte.

Zu Beginn erstellt der Workflow in meiner Version zwei Variablen, in denen dann später Kategorien und Tags des Artikels gespeichert werden. Danach kann man den Title des Posts gegenprüfen und bei Bedarf anpassen, als Standard verwendet das präsentierte Input-Fenster den Namen des Dokuments, der in vielen Fällen bei Artikel jedoch nicht immer gleich der gewünschten Überschrift sein muss. Danach werden der Titel und der Inhalt des Artikels als Variablen gespeichert und der Inhalt von Markdown zu HTML konvertiert und dann erneut als Variable gespeichert. Als nächstes fetcht Editorial mit einem Python-Script die Kategorien von WordPress und präsentiert diese in einem Auswahlfenster, wo gewünschte Kategorien gewählt und alle Kategorien durchsucht werden können, danach passiert das Gleiche mit Kategorien. Als letztes wird dann der gesamte Artikel mit Tags, Kategorien und Inhalt am WordPress versendet und über eine Variable im App-eigenen Browser geöffnet und, zusammen mit dem Titel, direkt in ein Tweet-Sheet eingefügt, über das dann direkt der Tweet über den neuen Artikel mit @AppTestsss veröffentlicht wird.

Mein Workflow erstellt die Artikel direkt als öffentliche Artikel, möchte man jedoch Entwürfe veröffentlichen, um den Artikel später im Backend nochmal bearbeiten zu können, reicht es aus, im Publish to WordPress-Skript, die 0 und die 1 in Zeile 12 und 13 zu vertauschen. Danach macht zwar der URL-Part Probleme, wenn man im Editorial-Browser nicht mit seinem WordPress-Zugang angemeldet ist, weil er den Artikel dann nicht öffnen kann, andere Probleme gibt es jedoch nicht.

Installiert werden kann der Workflow hier, angepasst werden muss aber noch der Nutzername in den Python-Scripten und das Passwort mit dem Keychain Workflow gesetzt werden.

Editorial Versionsübersicht

Dropbox-Sync

Editorial verzichtet auf eine, meist nicht-funktionierende, iCloud-Integration und synchronisiert Dateien über Dropbox. Damit kommen zwei große Vorteile:

  1. Alle .md-Dateien, die ich in Editorial erstelle und bearbeite landen direkt auf meinem Mac und können dort angesehen und weiterverarbeitet werden.
  2. Die Dropbox-API bringt eine Versionsgeschichte mit sich, die Editorial mit Bravour in eine Ansicht implementiert, die es erlaubt, alte Versionen einer Datei und Änderungen zwischen den Version ansprechend darzustellen.

Der Sync-Rhythmus von Editorial ist extrem schnell und häufig, fast jede Minute wird die neuste Version der Datei in die Dropbox verfrachtet und dort gesichert. Etwas unklug erscheint mir aktuell die Anzeige von Konflikten beim Sync einer Datei: Dropbox benennt die Datei dann zwar automatisch in DATEINAME (xys corrupted copy) um, Editorial kommuniziert diesen Fehler jedoch nicht besonders offen mit dem Nutzer. Große Probleme hat das nicht zur Folge, es führt lediglich zu einer neue Dateien mit dem geänderten Name, die aber problemlos auch wieder zu dem alten Namen umbenannt werden kann. Generell verliert Editorial durch Umbenennungen aber Zugriff auf die vergangenen Versionen einer Datei, das Problem dürfte aber bei Dropbox und nicht bei Editorial liegen.

Fazit

Editorial hat meine Arbeitsweise mit dem iPad geändert, sprich das iPad nach knapp einem Jahr endlich wieder zu meinem Lieblings-Blog-Editor gemacht. Warum endlich? Da mein Mac ein MacBook Pro ist, ist dieser entsprechend schwer und groß, passt also nur bedingt in meine Schultasche. Mein iPad hingegen ist leicht und klein und passt ohne Probleme zusammen mit Mappen und Büchern in die Tasche. Editorial ist auf dem iPad definitiv eine der produktivsten – wenn nicht sogar die produktivste – App, die ich bisher gekauft habe. Die Möglichkeiten sind dank Workflows leicht erweiterbar, der Editor funktioniert zuverlässig und der Dropbox-Sync tut sein Übriges. Am wichtigsten aber ist der Preis: 4,99€ für eine App mit diesem Funktionsumfang ist wahnsinnig günstig, quasi geschenkt. Nach meinen drei Testwochen kann ich sagen, dass ich durchaus auch 10€ oder sogar 20€ für Editorial bezahlt hätte, weil mein Blog-Alltag damit deutlich erleichtert und bereichert wird.

Kategorie: Allgemein

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