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Der ARD Apple-Check im Check

ARD Apple Check

Vorgestern Abend zur Primetime zeigte das erste deutsche Fernsehen „den Apple-Check“. Mit dem Ziel, den kalifornischen Konzern genauer unter die Lupe zu nehmen machten sich mutige Reporter des WDR (denn aus diesem Lokalsender stammte der Filmbeitrag ursprünglich) auf den Weg in Fußgängerzonen um Passanten nach Preisen für das iPhone-Innenleben zu fragen und in vor chinesische Werkstüren, um Arbeiter nach ihrem Befinden und den Arbeitsbedingungen zu interviewen. Der Beitrag ist in der Mediathek verfügbar und kann von dort , auch mit iPhone und iPad, angesehen werden, einen Download gibt es trotz neuer Rundfunkgebühren natürlich nicht, eine ARD-App scheint jedoch im März veröffentlicht zu werden und die Mediathek endlich mobil verfügbar zu machen. Im Folgenden werde ich ein paar meiner Gedanken zu dem Beitrag äußern.

Was dieser Artikel sein soll:

Eine Einschätzung des Beitrags aus dem Fernsehen, den sich gestern immerhin 1,09 Millionen Zuschauer ansahen.

Was dieser Artikel nicht sein soll:

Eine Verteidigung von Apple. Ich bin mir darüber bewusst, dass Apple-Produkte nicht unter fairen Bedingungen hergestellt werden und heiße das in keiner Weise gut oder versuche es zu verteidigen, auch bin ich mir darüber bewusst, wie groß die Gewinnmarge eines iPhones ist und das Apple an dem Produkt nicht schlecht verdient.

Apple infiziert?! (3 Äpfel von 3 möglichen Äpfeln)

Apple hat für mich etwas von Diktatur […] und bedeutet für mich irgendwie Gleichschaltung.

Erster Punkt des Beitrags war die Infizierung der breiten Masse an dem Apple-Virus. Genau 5 Minuten und 16 Sekunden nach dem Start fiel zum ersten Mal das Wort Religion, zusammen mit dem Wort Jünger und im Kontext der Leute, die vor dem Hamburger Apple Store am Jungfernstieg auf den Marktstart des iPhone 5 warteten. In gewissem Maße mag der Begriff der Religion durchaus zutreffen. Ich mag die Bezeichnung selber nicht, trotzdem stimmt es, dass Apple-Nutzer gewissermaßen eine Gemeinschaft bilden, in der sie sich wohlfühlen. Die Apple-Nutzer mögen ihre Geräte, beten sie jedoch (im Regelfall) nicht an und sehen sie schon gar nicht als Gott. Trotzdem stimme ich dem Beitrag in diesem Teil zu, sobald man einmal ein Apple-Gerät besessen hat, kommt man so schnell nicht mehr raus, ich möchte meine Apple-Geräte im Alltag auch nicht mehr missen.

Apple ist einfach?! (2 Äpfel von möglichen 3 Äpfeln)

Ein weiterer Nachteil: Internet heißt hier Safari

Zweiter Punkt des Beitrags: Die Einfachheit der Apple-Geräte. Im Vergleich mit der Konkurrenz (dem Samsung Galaxy Tab und dem Microsoft Surface) schnitt das iPad am besten ab. Interessant auch die Beobachtung einer Mutter, die sagte, Apple-Geräte seien total intuitiv, weil Kinder sie schnell und einfach nutzen können. Weiterer Punkt für den Beitrag, sehe ich selber in der Familie immer wieder, iOS-Geräte sind einfach unschlagbar einfach zu bedienen. Wofür es letztendlich den Punkt abgezogen gab, kann ich im Nachhinein nicht mehr genau sagen. Eventuell war der Grund, dass das Internet nicht Internet sondern Safari heißt, oder es war die Tatsache, dass der iPod touch der zweiten (oder das 8GB-Modell der dritten) Generation kein iCloud mehr unterstützt und deswegen keine Fotos per Fotostream empfangen kann. Wie gesagt, ich weiß es nicht genau.

Apple ist seinen Preis wert?! (1 Apfel von 3 möglichen Äpfeln)

207usdineur

via Google

Punkt drei handelte von dem Wert eines iPhones. Rechnungen wie die von iSuppli kennen wir alle, die Komponenten des iPhone 5 mit 16GB kosten rund 207$ (umgerechnet circa 153€). Endet man mit der Rechnung hier, wie es der Apple-Check tat, kommt man auf eine Gewinnmarge von 526€, beziehungsweise abzüglich 19% Mehrwertsteuer (129,01€) 397€ Gewinn. Das einzige Problem ist aber, dass die Rechnung hier nicht enden kann. Oder von welchem Geld bezahlt Apple die Werbungen in Zeitungen und Fernsehen? Von welchem Geld wurden die Komponenten des iPhones entwickelt? Apple sitzt zwar in Cupertino, aber auch dort fallen die fertigen Chips in höchster Qualität nicht einfach vom Himmel. Ach so, und wer entwickelt iOS? Da liegt auch nicht einfach morgens irgendwann mal eine CD vor der Tür, auf der dann iOS 7 steht und die bei Apple einmal in den Server geschoben wird, damit die Software für alle Geräte Over-The-Air zur Verfügung steht. Und wie bezahlt Apple die Maschinen, mit denen die iPhones produziert werden? Natürlich sind das alles Posten, die man nicht von der Gewinnmarge eines jeden iPhones abrechnen kann, aber trotzdem denke ich, dass der Beitrag diese zumindest hätte erwähnen sollen. Rechnet man Apples Quartalszahlen des ersten Quartals 2013 nach, in dem 47,8 Millionen verkaufte iPhones einen Gewinn von 30,66 Milliarden Dollar abwarfen, kommt man auf rund 641$ Gewinn pro iPhone, das wären rund 473€. Darin inbegriffen sein dürften bereits Posten wie Versand und eventuelle Mehrkosten bei der Herstellung des iPhones, dieser Gewinn dürfte jedoch ohne Marketingkosten etc. sein. Hätte die ARD im Bericht zumindest diese Zahl genannt und darauf hingewiesen, das noch weitere Abzüge zu machen sind, wäre der Bericht um einiges realistischer gewesen. Ein Punkt, der mir in dem Bericht nicht ganz klar wurde ist, was die Widerstandsfähigkeit des iPhones gegenüber Bier aussagt. Wirft man ein iPhone in ein Bierglas und nimmt es danach komplett auseinander und trocknet es, überlebt es trotzdem nur bedingt, ein Galaxy S2 überlebte die Prozedur. Auf welches Ziel der Beitrag damit genau hinauswollte, kann ich leider nicht sagen, wie viele der möglichen drei Sterne es jetzt deswegen und wie viele es wegen der hohen Marge abgezogen gab, wurde auch für mich hier nicht klar.

Apple ist fair?! (0 Äpfel von 3 möglichen Äpfeln)

Der kritischste Punkt in der Reportage: Die Fairness von Apple. Ein Reporterteam des WDR reiste nach China und wartete dort vor Foxconn-Werken auf Arbeiter, die ein Interview über Arbeitsbedingungen geben wollten. Diese Arbeiter berichteten von Missständen, die es bei Foxconn (und auch in anderen Firmen, die das Team im Laufe des Berichts besuchte) unbestritten gibt und die man nicht ignorieren darf. Die Angestellten arbeiten 12 bis 16 Stunden täglich und erhalten trotzdem nur einen Hungerlohn, was unverschämt ist. Mit Beitritt zur Fair Labor Association vor knapp einem Jahr hat Apple jedoch begonnen, diese Missstände zu beseitigen. Trotzdem bin auch ich der Meinung, dass Apple mit den Mitteln, die dem Konzern zur Verfügung stehen, hier deutlich mehr machen muss. Ich hoffe, dass der Konzern in Zukunft die Maßnahmen ausweitet und konsequenter gegen schlechte Arbeitsbedingungen vorgeht und bessere Bezahlungen für die Arbeiter durchsetzt. Die Wertung von 0 Äpfeln kann ich aber dennoch verstehen, Arbeitsbedingungen sind und bleiben ein heikles Thema mit viel Verbesserungsbedarf für Apple.

Kategorie: News
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