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Bivy – Der erste iOS-Client für das Tent-Protokoll

Bivy Profil-Ansicht

Nachdem Twitter aufgefallen ist, dass man in den vergangenen Monaten quasi alles falsch gemacht hat, was möglich war, ist das Archiv aller Tweets zwar ein erster Schritt in die richtige Richtung, solange die API-Beschränkung für Dritt-Apps weiterhin besteht, bin ich jedoch auf der Suche nach einer würdigen Alternative. App.net kam dabei für mich erstmal nicht in Frage, der Dienst ist Twitter zwar sehr ähnlich und freut sich über steigende Nutzerzahlen, für ein soziales Netzwerk zu zahlen, entsprach jedoch nicht meinen Erwartungen und meinen Interessen. Durch einen Blogpost von John Gruber fiel mein Blick auf Tent.io. Hauptunterschied zu Twitter ist, dass es sich dabei um ein Protokoll und nicht um komplettes Netzwerk handelt, es also möglich ist, einen eigenen Server zu betreiben, der dann die eigenen Daten speichert, auch die Nutzung einer eigenen Domain ist dadurch möglich. Das gesamte Prinzip will ich hier nicht erläutern, die Entwickler haben dazu eine Seite mit einer sehr guten Erklärung veröffentlicht. Bisher war die Nutzung eines Tent-Accounts unter iOS noch großes ein Problem, eine native App war nicht vorhanden und die Webapp funktionierte im Mobile Safari eher weniger toll. Mit der Veröffentlichung von Bivy hat sich das nun geändert, die App habe ich mir etwas genauer angesehen.

Auf den ersten Blick mag das sehr grüne Interface der 2,69€ teuren Universal-App ungewohnt oder sogar grässlich aussehen, nach mehreren Nutzungstagen kann man sich jedoch mehr oder weniger daran gewöhnen. In seiner aktuellen Form setzt die App fast nur auf Standard-UI-Elemente von iOS, eigene Grafiken kommen in kaum einer Form zum Einsatz. Dadurch bleibt die App einerseits sehr schlicht und wirkt in keiner Hinsicht überladen, an der ein oder anderen Stelle wären eigene Bilder jedoch ganz nett, da sie der App einen persönlicheren Charakter geben würden.

Nachdem man sich über den Safari mit seinem Tent-Account angemeldet hat, kann die Nutzung der App auch schon starten. Der Startbildschirm besteht aus Links zu allen Accounts, die eingerichtete sind und einer Möglichkeit, den globalen Stream des Netzwerks einzublenden. Dadurch, das Tent weiterhin relativ klein ist, passiert (für mich) in diesem Stream kaum mehr als in meiner „richtigen“ Timeline, trotzdem ist es teilweise schön, einen Blick auf das gesamte Netzwerk werfen zu können und den Blick aus der, teilweise einseitigen, Timeline in das gesamte Netzwerk zu wenden. Tippt man von diesem Startbildschirm den eigenen Account an, erhält man eine Übersicht über den eigenen Account. Am Interessantesten in dieser Übersicht dürfte der Button zur eigenen Timeline sein, einen Blick sollte man jedoch auch auf die anderen Buttons werfen. Möchte man alle Erwähnungen (die bei Tent übrigens mit einem ^ und nicht mit einem @ gekennzeichnet werden) einsehen, tippt man auf den Mentions-Button, die anderen Knöpfe dürften sich selbsterklären, obwohl die gesamte App nur auf englisch verfügbar ist.

Bivy Timeline

Hat man die eigene Timeline geöffnet, zeigt Bivy alle Status von allen Personen an, denen man folgt. Verfügbar sind in dieser Ansicht auch Reposts, die die Personen getätigt haben. Erkennbar sind diese daran, dass sie quasi zwei Posts in einem sind. Der große Post zeigt den Account an, der repostet hat, der Post innerhalb des Posts ist der, der repostet wurde. Bei dieser Ansicht bin ich auch nach einer Woche noch nicht sicher, ob ich mich auf längere Zeit mit ihr anfreunden kann. Einerseits ist dadurch klar ersichtlich, wer den originalen Post geschrieben hat und wer ihn repostet hat, andererseits nehmen Reports in der Timeline dadurch einen großen Platz ein, den man eventuell für andere Status nutzen könnte. Sonst ist die Timeline-Ansicht extrem aufgeräumt und angenehm. Die Avatare der einzelnen Nutzer werden klein an der linken Seite dargestellt, der Name und der Post sind rechts zu sehen. Wird man von einem anderen Nutzer des Protokolls erwähnt, so erscheint diese Erwähnung auch in der eigenen Timeline, wenn man dem anderen Nutzer nicht folgt. Hervorgehoben werden Mentions durch einen dunkleren Hintergrund, der sie gut von anderen Posts abgrenzt. Möchte man in der Timeline-Ansicht mit einer Person oder einem Post interagieren, geschieht das immer über den „Antwort“-Pfeil auf der rechten Seite des Posts. Dieser steht jedoch leider nicht nur dafür, auf einen Post zu antworten, wie die Grafik eventuell signalisiert, sondern öffnet ein Pop-Up-Menü, in dem die Interaktion gewählt werden kann. An dieser Stelle fände ich es wünschenswert, mehrere Buttons zu haben, die direkt neben dem Status eingeblendet werden und mit denen dann die Interaktion erfolgt.

Ein großer Bestandteil des Tent-Protokolls sind Konversationen zwischen den Nutzern. Um diese vernünftig anzuzeigen hat Bivy eine spezielle Ansicht, die den gesamten bisherigen Verlauf des Gesprächs anzeigen kann. Um diese Ansicht aufzurufen, tippt man doppelt auf den Post, dessen Verlauf man sehen möchte und Bivy öffnet eine neue Ansicht mit der entsprechenden Konversation. Diese Ansicht beinhaltet dann alle Status, die zu der jeweiligen Konversation gehören. Was in dieser Ansicht leider nicht enthalten ist, sind die Antworten anderer Nutzer, denen man nicht folgt, da diese nicht an den eigenen Server gepusht werden und deswegen von der App nicht abgerufen werden können. Gut an dieser Konversations-Ansicht gefällt mir vor allem, dass man direkt über den Button oben rechts auf das gesamte Gespräch antworten kann, eine Integration des „Reply“-Buttons, wie ich sie mir auch in der restlichen App wünschen würde.

Bivy Konversation

Schreibt man in Bivy einen neuen Status, kann dieser bis zu 256 Zeichen enthalten (der Standard des Protokolls für den Typ Status), kann jedoch auch mit einigen weiteren Informationen versehen werden. Über den Ortungspfeil über der Tastatur fügt man dem Status den aktuellen Standort hinzu, über das Schloss kann man ihn privat schalten, sodass ihn nur die Leute, die in dem Post erwähnt werden, den Status sehen können. Hat man einen Status fertig geschrieben, möchte ihn jedoch noch nicht veröffentlichen, kann man über den „Close“-Button die Ansicht verlassen und wird dann gefragt, ob der aktuelle Status als Entwurf gespeichert werden soll. Dieser Entwurf kann dann beim Verfassen des nächsten Posts genutzt werden, zu finden ist er unter dem „Schrank“-Icon in der Ansicht für einen neuen Post.

Bivy Compose

Während der Funktionsumfang von Bivy sehr positiv auffällt, habe ich immer wieder Probleme mit der Performance. Nach der Installation der App und den ersten zwei Nutzungstagen sind die Probleme noch im Rahmen und können (hoffentlich) mit einem kleinen Update behoben werden, vor allem in der Beta-Version, die ich jetzt seit mehreren Wochen nutze, habe ich beim Öffnen jedoch immer wieder enorme Probleme, die die App für kurze Zeit komplett einfrieren und sie erst nach ein paar Sekunden wieder nutzbar machen. Eine Ursache für diese extremen Probleme konnte ich bisher noch nicht finden, ich hoffe, dass der Entwickler sich dieser Probleme annimmt und sie mit den nächsten kleinen Updates angreift.

Als erster Kandidat einer App für das Tent-Protokoll hat Bivy es im App Store mit Sicherheit nicht leicht, in der aktuellen Position schlägt die App sich jedoch sehr gut. Verbesserungsfähig ist neben der Performance vor allem die Nutzung des Platzes auf dem iPad. Statt hier ein komplett neues Interface zu nutzen, setzt Bivy auf eine gestreckte iPhone-Ansicht. Die Status nehmen also den gesamten Bildschirm ein, zumindest die Navigation könnte links neben der Timeline noch Platz finden und die Nutzung einfacher gestalten.

Sowohl mein privater Tent-Account (^cacauu), wie auch der des Blogs (^apptestsss) freuen sich immer über neue Follower. Neue Posts gibt es aktuell zwar vor allem auf dem privaten Account, ich hoffe jedoch, auch den des Blogs in den nächsten Monaten beleben zu können.

Kategorie: News

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