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Twitterrific 5 – Der iOS-Twitter-Client meiner Wahl

Twitterrific 5 Dock

Nachdem Tweetbot seit nun anderthalb Jahren der Twitter-Client meiner Wahl auf dem iPhone ist, vor zehn Monaten wurde die iPad-Anpassung auch dort der Client meiner Wahl und seit knapp einem Monat bin ich auf dem MacBook Nutzer der App aus dem Hause der Tapbots. Zumindest auf dem iPhone ist nach dieser langen Zeit mal wieder der richtige Punkt für ein bisschen App-Frischfleisch gekommen, Twitterrific 5 bietet sich da quasi an, um mal wieder frischen Wind in die schlaffen Twitter-Segel zu bringen. Die Universal-App in ihrer neusten Version ist ein totaler Remake gegenüber der alten Version und auch gegenüber anderen Apps, die bis zum Release bei mir im Einsatz waren.Direkt die erste Neuerung ist das Interface. Der Client präsentiert sich in einer sehr angenehmen Schlichtheit, der Fokus liegt ganz klar auf dem Inhalt. Nach der ersten Einrichtung der Accounts, die die App ohne Murren aus den iOS-Einstellungen importiert, sieht man nur die Timeline mit den aktuellsten Tweets sowie die fünf Navigationselemente am oberen Bildschirmrand. Doch auch diese Steuerungselemente legen wiederum sehr viel Fokus auf alle Sachen, die um sie herum geschehen, nicht jedoch auf sich selbst. Ein kleines buntes Dreieck unter den Benachrichtigungen und den Direktnachrichten zeigt an, ob sich in diesen Kategorien noch ungelesene Elemente befinden.

Twitterific 5 Navigation

Ein Tipp auf den Avatar öffnet ein neues Fenster, das gespeicherte Suchen und vorhandene Listen anzeigt. Was in Twitterific 5 komplett fehlt sind die Twitter-Trends, im Anbetracht der Themen, die sich dort in der letzten Zeit herumtreiben, jedoch ein gute Entscheidung. Möchte man den eigenen Account anzeigen, tippt man oben rechts in dem Avatar-Fenster auf den Button mit dem Männchen, es öffnet sich eine Ansicht des eigenen Accounts. Sehr gelungen ist in diesem Fall die Darstellung der Personen, denen man folgt bzw. von denen man verfolgt wird. Diese präsentieren sich nur mit Avatar und Namen in einer Gitteransicht, per Tipp öffnet sich das Profil des ausgewählten Nutzers. Möchte man schnell zwischen eingerichteten Accounts wechseln bietet sich ein langer Tipp auf den Avatar an, im folgenden Menü kann dann aus den eingerichteten Twitterzugängen gewählt werden, auch neue Accounts können hier zu der App hinzugefügt werden. Vor allem die Authentifizierung erfolgt deutlich schmerzfreier als in manch anderen Apps, die Anmeldung erfolgt direkt in der App, ohne Brwoser-Fenster, die Passwörter verlangen und ohne den Wechsel in den mobilen Safari.

Twitterific 5 Einstellungen

Bedacht haben die Entwickler bei der Entwicklung der App jedoch auch, dass jeder Nutzer seine Timeline gerne in einer anderen Form dargestellt hätte und es unterschiedliche Vorlieben bezüglich Farbe, Schriftart und -größe gibt. Um diese verschiedenen Geschmäcker alle unter einen Hut zu bringen, enthält Twitterific 5 ein Menü, in dem es möglich ist, nahezu alle Elemente der Timeline-Darstellung zu verändern und die Timeline damit an eigene Wünsche und Vorlieben anzupassen. Angefangen von der Schriftart über die Farbdarstellung bis hin zur Avatargröße und dem Zeilenabstand ist hier alles änderbar, auf Wunsch aktiviert die App sogar das dunklere Profil, sobald es Nacht wird. Möchte man die Kreationen anderer Nutzer sehen oder sein eigenes Interface mit der Welt teilen, verwende man dazu auf Twitter bitte #myT5, dort finden sich Anpassungen aller Art, die durchaus zum Experimentieren einladen können.

We are well aware that people are going to complain about missing features: push notifications and streaming are obvious examples. But so are trends, and video support, and in-line photos, and… well none of that matters. We believe in building opinionated software.

via furbo.org

Sonst verzichten die Entwickler weitestgehend auf Einstellungen, so ist es weder möglich, den Fotohoster selber zu wählen – alle Fotos wandern zu Twitters Bilderdienst – noch lässt sich der Dienst für Kurz-URLs selber wählen, hier nutzt Twitterific das Twitter-Kürzel t.co. Damit verfolgen die Entwickler einen Ansatz, der mir extrem gut gefällt, und den auch Apple seit Jahren sehr konsequent und erfolgreich verfolgt: Man trifft Entscheidungen für den Kunden. Der Hersteller entscheidet, was der Kunde will und was gut für ihn ist, nicht andersherum. Dadurch müssen wir als Nutzer uns zum Beispiel nicht durch ellenlange Einstellungsmenüs kämpfen, Twitterific beschränkt sich auf die nötigsten Einstellungen, alle anderen Sachen werden direkt vom Entwickler vorgegeben. Einerseits nimmt man damit die Unübersichtlichkeit, die durch eine große Masse an Einstellungen entsteht, andererseits muss man sich als Entwickler während der Entwicklung eines solchen Produkts jedoch auch bewusst sein, welche Folgen die Entscheidungen haben, die während der Entwicklung einer App getroffen werden. Einen starken Einfluss auf die Entscheidungsfindung in einem solchen Prozess hat natürlich auch die persönliche Meinung des jeweiligen Entwicklers und Designers und der eigene Anspruch an Apps. Alles in allem ist den Jungs der Iconfactory diese Entscheidung sehr gut gelungen, einige Funktionen, die in Version 5, noch fehlen verspricht man für zukünftige Updates.

Timeline - Twitterific 5

Damit wären wir dann auch schon bei den beiden Sachen, die der neusten Twitterific-Version fehlen und die ich mir für die Zukunft aber wünsche: Push-Benachrichtigungen und Timeline-Streaming. Beides Funktionen, die ich in ihrer Umsetzung in Tweetbot sehr zu schätzen gelernt habe, auf die Twitterific in Version 5 jedoch komplett verzichtet. Als Ersatz für die Benachrichtigungen über neue Erwähnungen, Follower und Retweets setzt man auf Benachrichtigungen in der App, bei mir ist deshalb weiterhin Tweetbot für diese Aufgabe zuständig, zumindest zur Information über eine neue Nachricht.

Twitterific 5 Compose

Sehr gut funktioniert auch die Ansicht, in der neue Tweets verfasst werden. Ruft man diese über den Button oben rechts auf, liegt der Fokus, man ahnt es schon, auf dem Inhalt der Nachricht. Die Tastatur verfügt in dieser Ansicht über zwei Buttons, die dem Tweet den aktuellen Standort oder ein Foto hinzufügen, hält man den Foto-Button länger gedrückt fügt die App direkt das letzte Foto in den Tweet ein. Hat man einen Tweet begonnen und nicht abgesendet, speichert Twitterific den Inhalt zwischen und zeigt ihn beim nächsten Öffnen des Tweet-Fensters wieder an, diese Funktion eignet sich sehr gut, um während des Schreibens einen Link oder eine neue Information aus Timeline rauszusuchen und in den Tweet einzufügen ohne komplett von vorne beginnen zu müssen. Auf die Möglichkeit, mehrere Tweets lokal in einer Art Entwurfsammlung zu speichern und zu einem späteren Zeitpunkt wieder zu öffnen verzichtet man, vielleicht reicht der Hersteller diese Funktion in einer späteren Version nach. Ein weiterer Shortcut in dem Verfassen-Fenster verbirgt sich hinter dem Zeichenzähler, tippt man diese doppelt an löscht sich die gesamte getippte Nachricht unwiderruflich und macht den Platz frei für neue Gedanken.

Möchte man aus der Timeline direkt auf einen Tweet antworten reicht ein Wisch von links nach rechts und es öffnet sich ein Fenster, das die Antwort entgegennimmt, auch hier können Fotos und der aktuelle Standort über entsprechende Buttons hinzugefügt werden. Sehr clever präsentiert sich in diesem Fenster der Tweet, auf den geantwortet wird: In einer unauffälligen Schrift befindet er sich unter dem Eingabefeld, in das die Antwort getippt werden kann.

Twitterific 5 Conversation

Eine weitere Funktion versteckt sich auch neben der Timeline. Wischt man über einem Tweet von rechts nach links erscheint die Konversationsansicht, die es in zwei Arten gibt. Ist der gewählte Tweet ohne jeglichen Bezug zu vorherigen Posts entstanden, also keine Antwort, zeigt die Ansicht nur die Antworten auf den Tweet. Ist der gewählte Eintrag jedoch eine Antwort auf einen vorangegangenen Tweet, zeigt die Ansicht in ihrer Standard-Einstellung die gesamte Konversation, die bisher rund um diesen Eintrag stattgefunden hat, inklusive der vorherigen Tweets der beteiligten Personen. Möchte man jedoch Reaktionen anderer Nutzer auf diese Konversation haben, muss man oben den „Replies“-Button anwählen. Die Antworten, die dann angezeigt werden, beziehen sich nur auf den ausgewählten Tweet, alle anderen Posts der Konversation werden außer Acht gelassen. Was mir bei dieser Funktion fehlt ist, dass die Fortsetzung eines Gesprächs: Die Antworten, die von den Beteiligten auf die ausgewählte Konversation noch folgen, bleiben in der App komplett unberücksichtigt und fließen nicht in diese Ansicht ein, obwohl sie teilweise schon in den lokalen Zwischenspeicher geladen wurden.

Auch in den lokalen Zwischenspeicher scheint die App sämtliche Bilder zu laden, an denen man in der Timeline vorbeiscrollt. Das fällt extrem positiv daran auf, dass beim Öffnen der meisten Bilder überhaupt keine Ladezeit entsteht, sondern diese direkt angezeigt werden können. Sollte die App jedoch doch einmal ein Bild laden müssen und nicht gecachet haben, zeigt sie jedoch leider keinen Ladebalken an, der eine Einschätzung des Fortschritts ermöglicht, sondern beschränkt sich auf einen Ladekreis, dem der Fortschritt nicht zu entnehmen ist. Was mir jedoch nicht ganz klar ist, ist die Zeit, die diese zwischengespeicherten Bilder auf dem iPhone bleiben. Innerhalb zweier Tage ist der Speicherbedarf der App auf meinem iPhone auf über 20 MB angewachsen, allein an gespeicherten Tweets kann das nicht liegen. Negativ in der Bildanzeige aufgefallen ist mir, dass die Leiste am oberen Ende nicht ausblendbar ist. Würde diese zumindest den Titel des Bildes beinhalten, hätte sie noch einen Zweck und es wäre vertretbar, dass sie immer angezeigt wird, da sie jedoch nur zwei Buttons und „Photo“ beinhaltet, sollte es zumindest die Möglichkeit geben, sie per Tipp auszublenden.

Sehr wohl möglich ist es jedoch, die Statusbar des iPhones in der App auszublenden und dadurch mehr Platz für Inhalte zu bekommen. Dazu wischt man einfach mit zwei Fingern nach oben über den Bildschirm, möchte man sie wieder einblenden tut man selbiges in die andere Richtung. Auch die Möglichkeit, die App im Landscape-Modus zu nutzen gefällt gut und bildet teilweise die einzige Möglichkeit, Tweets vernünftig anzuzeigen ohne sie in falscher Ausrichtung lesen zu müssen.

Twitterific 5 Bildansicht

Damit nähern wir uns dem Ende und werfen erneut einen Blick auf die Timeline-Ansicht. Möchte man dort einen Tweet retweeten, mit oder ohne Kommentar, tippt man ihn an, es erscheint ein Menü, über das die Interaktion mit dem Tweet möglich ist. Neben den normalen Interaktionsmöglichkeiten ist vor allem das Menü hinter den drei Punkten interessant, dort verbergen sich die Möglichkeiten den Tweet zu übersetzen, per Mail zu versenden und zu übersetzen. Möchte man einen Link aus einem Tweet für späteres Lesen merken, hält man länger auf ohne getippt und wählt dann die Option, ihn an Instapaper oder Pocket zu senden. Ein Sync der aktuellen Lesepostion erfolgt in Twitterific wahlweise über iCloud, dann jedoch nur zwischen den Apps der Iconfactory oder über Tweet Marker, dann kompatibel mit allen anderen Apps. Diesen Weg bevorzuge ich aktuell, da ich auf dem Mac weiterhin Tweetbot einsetze, der aufgrund von Apples Beschränkungen keinen Zugang zu den iCloud-Daten von Twitterific hat. Ein kleines Problem habe ich jedoch mit der Timeline-Anzeige in der App, es fehlt ein Counter der anzeigt, wie viele Tweets noch ungelesen sind. Zumindest zur groben Orientierung wusste ich diese Funktion in Tweetbot immer sehr zu schätzen, vielleicht sehen wir auch hier in zukünftigen Updates eine Neuerung.

Um das Ganze nochmal in wenigen Sätzen auf den Punkt zu bringen: Ich mag Twitterific 5 sehr. Die Funktionen erscheinen durchdacht, die App ist nicht überladen sondern beschränkt sich auf das Wesentliche – vorerst. Wie bereits gesagt fehlen mir ein paar Funktionen wie Push-Notifications und Streaming, ich bin aber zuversichtlich, dass diese mit den nächsten großen Updates Einzug erhalten. Für die nächsten paar Wochen werde ich meinen täglichen Twitterkonsum unter iOS auf Twitterific umstellen, vielleicht wird es auch nach dieser Übergangszeit erstmal bei dem Client bleiben, mal sehen ob und wie Tweetbot nachzieht. Zum aktuellen Einstiegspreis von 2,69€ nur ist die neuste Version nur zuempfehlen, ich bin auf die folgenden Updates gespannt!

Kategorie: News

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